Personal-Training-Preise kalkulieren: so rechnest du richtig
Preise · 27. August 2026 · 8 Minuten
Kurz gesagt
Ein tragfähiger Stundensatz wird rückwärts gerechnet: gewünschter Jahresgewinn plus Fixkosten, geteilt durch die Einheiten, die im Jahr tatsächlich stattfinden. Entscheidend sind dabei zwei Größen, die meist zu optimistisch angesetzt werden: die Zahl der Arbeitswochen und die Zahl der bezahlten Einheiten pro Woche. Wer mit 52 Wochen und voller Auslastung rechnet, kalkuliert seinen Satz systematisch zu niedrig.
Die meisten Trainer setzen ihren Preis, indem sie schauen, was andere verlangen. Das ergibt eine Zahl, aber keine Kalkulation — und es übernimmt fremde Kosten, die man nicht kennt. Diese Rechnung geht umgekehrt: vom Zielverdienst rückwärts zum Satz.
Warum ist der Stundensatz die falsche Ausgangsgröße?
Weil er das Ergebnis ist, nicht die Eingabe. Wer bei „was verlangt man so?" beginnt, landet in der Marktspanne — im deutschsprachigen Raum meist 60 bis 150 Euro je Einheit, siehe Was kostet Personal Training?. Diese Spanne sagt aber nichts darüber, ob der Satz die eigenen Kosten deckt.
Die Eingabe ist das, was am Jahresende übrig bleiben soll. Alles andere ist Rechenweg.
Welche vier Größen brauchst du?
| Größe | Was gemeint ist | Häufiger Fehler |
|---|---|---|
| Zielgewinn | vor Steuer und Sozialversicherung | mit dem Wunsch-Netto verwechselt |
| Fixkosten | alles, was auch ohne Klienten anfällt | Sozialversicherung vergessen |
| Arbeitswochen | Wochen mit tatsächlichem Umsatz | 52 statt 45 angesetzt |
| Einheiten je Woche | bezahlte, nicht geplante | Verwaltungszeit ignoriert |
Wie sieht die Rechnung durchgerechnet aus?
Ein Beispiel mit runden Zahlen. Angenommen, der Zielgewinn vor Steuer und Sozialversicherung liegt bei 60.000 Euro im Jahr.
Schritt 1 — Fixkosten sammeln:
| Posten | im Jahr |
|---|---|
| Studioanteil oder Miete | 6.000 € |
| Versicherungen | 900 € |
| Software und Werkzeuge | 1.200 € |
| Fortbildung, Ausrüstung | 1.500 € |
| Anfahrt, Telefon, Steuerberatung | 2.400 € |
| Summe | 12.000 € |
Schritt 2 — nötiger Umsatz: 60.000 Euro Zielgewinn plus 12.000 Euro Fixkosten ergeben 72.000 Euro Jahresumsatz.
Schritt 3 — Einheiten im Jahr: 45 Arbeitswochen mal 20 bezahlte Einheiten ergeben 900 Einheiten.
Schritt 4 — Satz: 72.000 geteilt durch 900 ergibt 80 Euro je Einheit.
Das ist die Untergrenze. Nicht der Preis, den man verlangt, sondern der Preis, unter dem man draufzahlt.
Was passiert, wenn du weniger Einheiten schaffst?
Dieselbe Rechnung mit 15 statt 20 Einheiten pro Woche ergibt 675 Einheiten im Jahr — und damit 107 Euro je Einheit für denselben Zielgewinn. Der Sprung von 80 auf 107 Euro entsteht allein durch die Auslastung, nicht durch bessere Leistung.
| Einheiten je Woche | Einheiten im Jahr | Nötiger Satz |
|---|---|---|
| 15 | 675 | 107 € |
| 18 | 810 | 89 € |
| 20 | 900 | 80 € |
| 24 | 1.080 | 67 € |
Die Tabelle erklärt nebenbei, warum sehr niedrige Sätze im Markt vorkommen: Sie setzen eine Auslastung voraus, die dauerhaft schwer zu halten ist.
Warum sind 52 Arbeitswochen die teuerste Annahme?
Weil sie nirgends stattfinden. Fünf Wochen Urlaub, Feiertage und ein paar Krankheitstage ergeben zusammen leicht sieben Wochen ohne Umsatz. Wer mit 52 rechnet, verteilt seinen Jahresbedarf auf 15 Prozent mehr Einheiten, als es geben wird — der kalkulierte Satz liegt dann zu niedrig, und zwar dauerhaft.
Dazu kommt die unbezahlte Zeit. Branchenerhebungen nennen rund 15 Stunden pro Woche für Planung, Pläne schreiben, Nachrichten und Organisation. Bei 20 bezahlten Einheiten steht damit eine reale Arbeitswoche von etwa 35 Stunden im Raum. Diese Stunden dürfen nicht als „nebenbei" behandelt werden — sie sind der Grund, warum die Zahl der Einheiten nicht beliebig steigt.
Wie wirken Blöcke auf die Kalkulation?
Ein Zehnerblock mit 15 Prozent Rabatt senkt den Satz von 80 auf 68 Euro. Das ist nur dann tragbar, wenn der Block etwas zurückgibt: planbare Termine, weniger Akquise, weniger Ausfall.
| Modell | Satz | Was du dafür bekommst |
|---|---|---|
| Einzelstunde | 80 € | volle Flexibilität, volles Ausfallrisiko |
| Zehnerblock −15 Prozent | 68 € | zehn Termine im Voraus bezahlt |
| Monatspaket, 4 Einheiten | ab 300 € | wiederkehrender Umsatz, feste Taktung |
Wer den Rabatt gibt, ohne die Gegenleistung einzufordern — feste Termine, begrenzte Gültigkeit, klare Ausfallregel —, verschenkt den Vorteil und behält nur den Preisnachlass.
Wie kalkulierst du laufende Online-Betreuung?
Beim Monatspreis fällt die Einheit als Bezugsgröße weg. Gerechnet wird stattdessen in Betreuungsstunden pro Klient und Monat — alles, was tatsächlich Zeit kostet: Plan schreiben und anpassen, Rückmeldungen, Nachrichten, Auswertung, gelegentlicher Videocall.
Ein Beispiel: Ein Klient in enger Betreuung bindet drei Stunden im Monat. Bei einem angestrebten Stundenwert von 80 Euro entspricht das 240 Euro im Monat. Wer 150 Euro verlangt, arbeitet in dieser Betreuung für rund 50 Euro die Stunde — was in Ordnung sein kann, aber eine Entscheidung sein sollte und kein Versehen.
Die Marktspanne für Online-Betreuung liegt bei 80 bis 120 Euro im Monat für Rückmeldung alle zwei Wochen und bei 120 bis 200 Euro für wöchentliche Rückmeldung mit laufender Anpassung. Spezialisierte Angebote liegen über 300 Euro. Wer in dieser Spanne kalkuliert, muss die Betreuungszeit begrenzen — sonst frisst ein einzelner sehr aktiver Klient die Marge von dreien.
Was passiert bei Absagen und Ausfällen?
Ausfälle sind kein Randthema, sondern eine Position in der Kalkulation. Fällt von zwanzig geplanten Einheiten eine Woche für Woche aus, sind das 5 Prozent Umsatz — und der Termin ist nicht nachträglich verkäuflich, weil die Zeit vorbei ist.
Zwei Stellschrauben: eine Absagefrist mit Ausfallregel im Angebot, und die Erinnerung vor dem Termin. Wie stark das wirkt und was sich in der Praxis bewährt hat, steht in No-Shows reduzieren.
Wer keine Ausfallregel hat, sollte den erwarteten Ausfall in den Satz einpreisen. Bei angenommenen 5 Prozent Ausfall bedeutet das rund 4 Euro Aufschlag auf einen 80-Euro-Satz — unauffällig im Preis, spürbar im Jahr.
Was kostet die Betreuung dich selbst?
In den Fixkosten oben stehen 1.200 Euro im Jahr für Software. Das ist der Posten, der am ehesten übersehen wird, weil er als „Kleinigkeit" beginnt und mit jedem Klienten mitwächst. Wichtig ist deshalb, dass die Kosten mit der Zahl der Klienten mitlaufen und nicht mit einer Paketstufe springen.
KADEA ist eine Coaching-App für Personal Trainer im deutschsprachigen Raum: Trainingspläne, 412 Übungen mit Video, Nachrichten und Fortschritt in einer App, die das Logo und die Farben des Trainers trägt. Der Zugang kostet 50 € im Monat plus 10 € je aktivem Klienten (zzgl. USt.), die Daten liegen auf EU-Servern in Irland.
Wie das im Betrieb aussieht, steht auf der Startseite; wer damit arbeiten will, bewirbt sich unter Trainer werden.
Fazit
Ein belastbarer Stundensatz entsteht aus vier Zahlen: Zielgewinn, Fixkosten, Arbeitswochen und bezahlte Einheiten pro Woche. Setzt man 45 Wochen und 20 Einheiten an, ergeben 60.000 Euro Zielgewinn plus 12.000 Euro Fixkosten einen Satz von 80 Euro. Fällt die Auslastung auf 15 Einheiten, müssen es 107 Euro sein. Die Marktspanne ist danach nur noch die Kontrolle, ob der errechnete Satz durchsetzbar ist — nicht die Grundlage der Kalkulation.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meinen Stundensatz als Personal Trainer?
Rückwärts. Zielgewinn vor Steuer und Sozialversicherung plus Fixkosten ergibt den nötigen Jahresumsatz. Diesen teilst du durch die Zahl der Einheiten, die im Jahr realistisch stattfinden — also Arbeitswochen mal bezahlte Einheiten pro Woche. Das Ergebnis ist die Untergrenze, nicht der Wunschpreis.
Mit wie vielen Arbeitswochen soll ich rechnen?
Mit 44 bis 46, nicht mit 52. Urlaub, Feiertage und Krankheit fallen an, und in dieser Zeit kommt bei selbstständigen Trainern nichts herein. Jede Woche, die du zu viel ansetzt, senkt deinen kalkulierten Satz und damit dein Einkommen.
Wie viele bezahlte Einheiten pro Woche sind realistisch?
Für die meisten liegen 15 bis 22 Einheiten in einem tragbaren Bereich. Dazu kommen rund 15 Stunden pro Woche für Planung, Pläne und Organisation, die niemand bezahlt. Wer 30 Einheiten ansetzt, kalkuliert eine Belastung ein, die selten zwei Jahre hält.
Was gehört alles in die Fixkosten?
Studioanteil oder Miete, Versicherung, Software, Fortbildung, Ausrüstung, Anfahrt, Steuerberatung und Sozialversicherung. Die Beiträge zur Pflichtversicherung sind keine Nebensache, sie sind einer der größten Posten.
Warum brauche ich einen Auslastungspuffer?
Weil Auslastung schwankt. Fallen von 20 geplanten Einheiten zwei weg, sinkt der Umsatz um 10 Prozent — der Satz müsste rechnerisch um gut 11 Prozent steigen, um das auszugleichen. Wer knapp kalkuliert, verliert bei jeder ruhigen Woche Geld.
KADEA ist die Coaching-App unter deinem Namen.
Trainingspläne, 412 Übungen mit Video, Nachrichten, Fortschritt — mit deinem Logo und deinen Farben. 50 € im Monat plus 10 € je Klient, 14 Tage gratis.
