KADEA
← Blog

Ernährung im Coaching: was Trainer dürfen und was nicht

Ernährung · 27. August 2026 · 10 Minuten

Kurz gesagt

In Österreich ist Ernährungsberatung nach § 119 GewO ein reglementiertes Gewerbe und nur für gesunde Personen ohne Krankheitsgefährdung zulässig; bei Krankheit oder Krankheitsverdacht sind allein Diätologen und Ärzte zuständig. Der Oberste Gerichtshof hat mit 4 Ob 222/17a klargestellt, dass der Vorbehalt auch unter anderem Namen gilt — Training, Coaching oder Schulung ändern nichts. In Deutschland ist Ernährungsberatung nicht reglementiert, die Grenze zieht dort das Heilpraktikergesetz. Ohne eigene Berechtigung bleibt einem Trainer die Zusammenarbeit mit einer Ernährungsfachkraft.

Kaum ein Thema wird im Personal Training so oft gestreift und so selten sauber eingeordnet. Die kurze Antwort lautet: Es kommt darauf an, in welchem Land du arbeitest, welche Berechtigung du hast — und ob dein Gegenüber gesund ist.

Welche drei Begriffe muss man auseinanderhalten?

Sie klingen ähnlich und meinen rechtlich Verschiedenes:

BegriffWer angesprochen wirdWer sie ausüben darf (AT)
Ernährungsberatunggesunde Personen ohne KrankheitsgefährdungGewerbe nach § 119 GewO, Gesundheitsberufe
ErnährungstherapieKranke und KrankheitsverdächtigeDiätologen und Ärzte
Allgemeine Informationniemand persönlichjeder

Die dritte Zeile ist der Ort, an dem sich Missverständnisse sammeln. Eine allgemeine Auskunft ist keine Beratung — sobald sie aber auf eine konkrete Person zugeschnitten wird, wechselt sie die Kategorie.

Was gilt in Österreich?

Ernährungsberatung ist ein reglementiertes Gewerbe nach § 119 GewO. Die Befähigung setzt ein Studium der Ernährungswissenschaften oder der Diätologie voraus. Das freie Gewerbe „Erstellung von Trainingskonzepten für gesundheitsbewusste Personen", auf dem die meisten Personal Trainer arbeiten, deckt Ernährungsberatung ausdrücklich nicht ab. Was es abdeckt, steht in Trainingskonzepte für gesundheitsbewusste Personen.

Auch mit dieser Berechtigung endet die Zuständigkeit bei gesunden Personen. Diätologie ist im MTD-Gesetz geregelt, und Diätologen sind neben Ärzten die einzige Berufsgruppe, die bei Vorliegen oder Verdacht einer Erkrankung ernährungstherapeutisch behandeln darf.

Wer ohne Berechtigung arbeitet, riskiert nach § 366 Abs. 1 GewO Verwaltungsstrafen bis 3.600 Euro. Der teurere Weg ist aber ein anderer: Unterlassungsklagen von Mitbewerbern und Verbänden.

Was hat der OGH tatsächlich entschieden?

Diese Frage beantwortet fast keine Fortbildung, obwohl sie die wichtigste ist. Zwei Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs:

  • 4 Ob 222/17a: Ernährungsberatung ohne Berechtigung darf auch dann nicht angeboten werden, wenn sie anders heißt — Training, Coaching, Schulung oder Ähnliches. Der Vorbehalt hängt an der Tätigkeit, nicht am Wort.
  • 4 Ob 177/18k vom 23. Oktober 2018: Der Revisionsrekurs wurde zurückgewiesen. Vom Verbot ist auch die bloße Ankündigung umfasst.

Praktisch heißt das: Eine Umbenennung löst nichts. Wer „Ernährungstraining" auf die Website schreibt und tatsächlich individuell berät, hat dasselbe Problem wie vorher, nur zusätzlich schriftlich.

Was gilt in Deutschland?

Grundlegend anders. Ernährungsberatung ist nicht reglementiert, die Bezeichnung ist nicht geschützt. Die Grenze zieht das Heilpraktikergesetz: Ernährungstherapie bei einer Erkrankung gilt als Heilkunde und ist erlaubnispflichtig — zulässig für Diätassistenten, Heilpraktiker und Ärzte.

Für die Abrechnung mit Krankenkassen nach § 20 SGB V kommt eine zweite Hürde dazu: Die Zentrale Prüfstelle Prävention prüft seit 2014 nach dem Leitfaden Prävention und verlangt im Handlungsfeld Ernährung eine Grundqualifikation — Diätassistent oder ein ernährungsbezogenes Studium — plus ein Zusatzzertifikat. Einzelheiten in Ernährungsberatung in Deutschland: die Rechtslage.

Wo verläuft die Grenze im Alltag?

Nicht am Thema, sondern am Zuschnitt auf eine Person. Drei Beispiele, die in jeder Betreuung vorkommen:

SituationEinordnung
„Protein liegt im Sport meist zwischen 1,2 und 2,0 g je Kilogramm"allgemeine Information
„Für dich rechne ich 140 g Protein am Tag aus"individuelle Beratung
„Dein Blutzucker ist auffällig, iss weniger Kohlenhydrate"Therapie, in beiden Ländern tabu

Die dritte Zeile ist die gefährlichste, weil sie aus Hilfsbereitschaft entsteht. Sobald eine Erkrankung im Raum steht — genannt, vermutet oder auf einem Befund sichtbar —, endet jede Zuständigkeit außerhalb von Diätologie und Medizin.

Was bleibt ohne eigene Berechtigung?

Mehr, als die Vorsicht vermuten lässt. Drei Wege sind offen:

  1. Zusammenarbeit mit einer Ernährungsfachkraft. Der saubere und zugleich wirtschaftlich beste Weg; ausführlich in Zusammenarbeit mit Ernährungsfachkräften.
  2. Werkzeuge bereitstellen, die der Klient selbst führt. Ein Essenstagebuch, das er anlegt und auswertet, ist seine Sache — nicht deine Empfehlung. Dazu Essenstagebuch führen lassen.
  3. Allgemeine Information ohne persönlichen Zuschnitt. Wie ein Rechenweg funktioniert, welche Modelle es gibt, was Referenzwerte sagen.

Der Punkt, an dem es kippt, ist immer derselbe: die Individualisierung.

Was heißt das für Werkzeuge und Apps?

Eine App, in der ein Klient selbst einträgt, ist ein Werkzeug in seiner Hand. Er trägt ein, die App rechnet zusammen, und er entscheidet, wer es sehen darf. Damit berät niemand — die Zahlen gehören ihm, und die Auswertung ist seine.

Was du als Trainer davon hast, ist Sichtbarkeit: Wenn dein Klient seinen Bereich teilt, siehst du mit, worüber ihr im nächsten Termin sprecht. Wie verlässlich solche Zahlen sind, steht in Barcode-Scanner und Lebensmitteldatenbanken.

KADEA ist eine Coaching-App für Personal Trainer im deutschsprachigen Raum: Trainingspläne, 412 Übungen mit Video, Nachrichten und Fortschritt in einer App, die das Logo und die Farben des Trainers trägt. Der Zugang kostet 50 € im Monat plus 10 € je aktivem Klienten (zzgl. USt.), die Daten liegen auf EU-Servern in Irland.

Der Ernährungsbereich gehört dabei dem Klienten: Er führt ihn, er gibt ihn frei. Wie das aussieht, steht auf der Startseite; Trainer bewerben sich über Trainer werden.

Wie sicherst du dich ab?

Vier Punkte, die wenig Aufwand machen und viel abfangen:

Fazit

Ernährung im Coaching ist keine Frage des Wollens, sondern der Berechtigung und des Landes. In Österreich ist die Beratung nach § 119 GewO reglementiert und endet bei gesunden Personen; die OGH-Entscheidungen 4 Ob 222/17a und 4 Ob 177/18k haben klargestellt, dass eine andere Bezeichnung daran nichts ändert. In Deutschland ist die Tätigkeit frei, bis das Heilpraktikergesetz greift. Ohne eigene Berechtigung bleiben Zusammenarbeit, Werkzeuge in der Hand des Klienten und allgemeine Information — und das ist mehr, als die meisten vermuten.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand vom 27. August 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für die Einordnung von Beschwerden und für Ernährung bei Erkrankungen sind Ärzte und Diätologen zuständig.

Häufige Fragen

Darf ein Personal Trainer Ernährungsberatung anbieten?

In Österreich nur mit der Berechtigung nach § 119 GewO, und auch dann nur für gesunde Personen ohne Krankheitsgefährdung. Das freie Gewerbe für Trainingskonzepte deckt Ernährungsberatung nicht ab. In Deutschland ist die Tätigkeit nicht reglementiert, dort zieht das Heilpraktikergesetz die Grenze: Ernährungstherapie bei einer Erkrankung ist Heilkunde und erlaubnispflichtig.

Darf ich es Ernährungstraining nennen?

Nein, wenn damit die vorbehaltene Tätigkeit gemeint ist. Der Oberste Gerichtshof hat mit der Entscheidung 4 Ob 222/17a untersagt, Ernährungsberatung ohne Berechtigung unter Bezeichnungen wie Training, Coaching oder Schulung anzubieten. Mit 4 Ob 177/18k vom 23. Oktober 2018 wurde bestätigt, dass auch die bloße Ankündigung vom Verbot umfasst ist.

Was passiert bei unbefugter Gewerbeausübung in Österreich?

Nach § 366 Abs. 1 GewO drohen Verwaltungsstrafen bis 3.600 Euro. Dazu kommt das wettbewerbsrechtliche Risiko: Beide OGH-Verfahren gingen nicht von einer Behörde aus, sondern von Mitbewerbern und Verbänden, die auf Unterlassung geklagt haben.

Wer darf in Österreich bei Krankheit beraten?

Diätologen und Ärzte. Diätologie ist im MTD-Gesetz geregelt, und Diätologen sind neben Ärzten die einzige Berufsgruppe, die bei Vorliegen oder Verdacht einer Erkrankung ernährungstherapeutisch behandeln darf. Gewerbliche Ernährungsberatung nach § 119 GewO endet bei gesunden Personen.

Was bleibt einem Trainer ohne Berechtigung?

Drei Dinge: die Zusammenarbeit mit einer Ernährungsfachkraft, das Bereitstellen von Werkzeugen, die der Klient selbst führt, und allgemeine Information ohne persönlichen Zuschnitt. Der Unterschied liegt in der Individualisierung — nicht im Wortlaut der Bezeichnung.

KADEA ist die Coaching-App unter deinem Namen.

Trainingspläne, 412 Übungen mit Video, Nachrichten, Fortschritt — mit deinem Logo und deinen Farben. 50 € im Monat plus 10 € je Klient, 14 Tage gratis.