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Wann du an einen Diätologen verweisen musst

Ernährung · 27. August 2026 · 9 Minuten

Kurz gesagt

Die Grenze verläuft nicht am Thema, sondern an der Person: Sobald eine Erkrankung vorliegt oder auch nur der Verdacht darauf besteht, endet jede Zuständigkeit außerhalb von Medizin und Diätologie. In Österreich sind Diätologen nach dem MTD-Gesetz neben Ärzten die einzige Berufsgruppe, die dann ernährungstherapeutisch behandeln darf; gewerbliche Ernährungsberatung nach § 119 GewO endet bei gesunden Personen ohne Krankheitsgefährdung. In Deutschland zieht das Heilpraktikergesetz dieselbe Linie. Verwiesen wird nicht erst bei Gewissheit, sondern beim Verdacht.

Die Frage stellt sich selten in einer klaren Situation. Sie stellt sich beiläufig: Ein Klient erwähnt einen Befund, eine Unverträglichkeit, ein Medikament — und der nächste Satz entscheidet, ob du noch in deinem Beruf arbeitest.

Wer ist wofür zuständig?

Die Zuständigkeit hängt nicht am Thema Ernährung, sondern am Zustand der Person:

Zustand der PersonZuständig in Österreich
gesund, keine KrankheitsgefährdungGewerbe nach § 119 GewO, Gesundheitsberufe
krankheitsgefährdetGesundheitsberufe, Diätologen
krank oder KrankheitsverdachtDiätologen und Ärzte

Diätologie ist im MTD-Gesetz geregelt. Diätologen sind neben Ärzten die einzige Berufsgruppe, die bei Vorliegen oder Verdacht einer Erkrankung ernährungstherapeutisch behandeln darf.

Der entscheidende Punkt steht in der dritten Zeile: Verdacht genügt. Es braucht keine gesicherte Diagnose, damit der Vorbehalt greift.

Woran erkennst du, dass die Grenze erreicht ist?

An Signalen, die im Gespräch beiläufig fallen. Vier Gruppen kommen regelmäßig vor:

  • Eine Diagnose wird genannt — auch nebenbei, auch als Vergangenheit.
  • Medikamente werden erwähnt, dauerhaft eingenommen.
  • Beschwerden werden beschrieben, die wiederkehren.
  • Ein Befund wird gezeigt, mit der Bitte um Einordnung.

Bei allen vier lautet die richtige Antwort gleich: nicht einordnen, sondern verweisen. Das gilt selbst dann, wenn du die Antwort zu kennen glaubst — und gerade dann, weil Hilfsbereitschaft der häufigste Weg über die Grenze ist.

Dasselbe Muster gilt bei körperlichen Beschwerden im Training; es ist in Rückenschmerzen im Training berücksichtigen beschrieben.

Was gilt in Deutschland?

Die Linie liegt an derselben Stelle, sie folgt nur aus einem anderen Gesetz. Ernährungsberatung ist nicht reglementiert, die Bezeichnung nicht geschützt. Sobald es aber um die diätetische Behandlung einer Erkrankung geht, handelt es sich um Heilkunde — und die ist nach dem Heilpraktikergesetz erlaubnispflichtig. Zulässig ist sie für Diätassistenten, Heilpraktiker und Ärzte.

Die Einzelheiten stehen in Ernährungsberatung in Deutschland: die Rechtslage; die österreichische Seite in Ernährungsberatung: Wer darf sie in Österreich anbieten?.

Welche Sätze darfst du nicht sagen?

Eine kurze Liste, die im Alltag mehr hilft als jede Paragrafenkenntnis:

Nicht sagenWarum
„Bei deinen Werten würde ich weniger davon essen."Einordnung eines Befunds
„Das kommt bestimmt von deiner Ernährung."Ursachenzuschreibung bei Beschwerden
„Damit brauchst du keinen Arzt."hält jemanden von Abklärung ab
„Ich stelle dir was zusammen, dann wird das besser."Therapieversprechen

Die dritte Zeile ist die gefährlichste. Wer jemanden von einer Abklärung abhält, hat nicht nur ein Berufsrechtsproblem, sondern ein Haftungsproblem — Einzelheiten in Haftung im Personal Training.

Was ändert eine andere Bezeichnung?

Nichts. Der Oberste Gerichtshof hat mit 4 Ob 222/17a entschieden, dass Ernährungsberatung ohne Berechtigung auch dann unzulässig ist, wenn sie Training, Coaching oder Schulung heißt. Mit 4 Ob 177/18k vom 23. Oktober 2018 wurde bestätigt, dass bereits das Ankündigen vom Verbot umfasst ist.

Der Vorbehalt hängt an der Tätigkeit, nicht am Wort — und das ist die einzige Information zu diesem Thema, die man sich merken muss. Die vollständige Einordnung steht in Ernährung im Coaching: was Trainer dürfen und was nicht.

Wie verweist du, ohne den Klienten zu verlieren?

Als Erweiterung, nicht als Absage. Der Unterschied liegt in der Reihenfolge der Sätze: Zuerst kommt, was bleibt, dann, was dazukommt.

Ein Ablauf, der sich bewährt:

  1. Benennen, was du siehst — ohne es zu deuten.
  2. Sagen, wofür du zuständig bist — Training, und das läuft weiter.
  3. Konkret verweisen — mit Name und Berufsbezeichnung, nicht mit „such dir mal jemanden".
  4. Anbieten, in Kontakt zu bleiben, wenn der Klient das möchte.

Punkt drei entscheidet darüber, ob der Verweis stattfindet. Ein allgemeiner Rat versandet; eine konkrete Adresse wird angerufen. Wie man ein solches Netzwerk aufbaut, steht in Zusammenarbeit mit Ernährungsfachkräften.

Wie hältst du einen Verweis fest?

Weil ein Verweis nur dann schützt, wenn er nachweisbar ist. Ein mündlicher Satz im Studio ist ein halbes Jahr später nicht mehr rekonstruierbar — und ausgerechnet dann wird er gebraucht.

Nötig ist wenig: eine kurze schriftliche Notiz mit Datum, dem, was der Klient berichtet hat, und dem Hinweis, an wen verwiesen wurde. Sinnvoll ist außerdem, dieselbe Information dem Klienten schriftlich zu geben — dann steht sie in beiden Richtungen fest.

Zwei Punkte sind dabei zu beachten. Erstens gehören solche Notizen zu den Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO und brauchen denselben Schutz wie Trainingsdaten; wie lange sie aufbewahrt werden dürfen, steht in Wie lange darf ich Klientendaten aufbewahren?. Zweitens gehört in die Notiz keine Deutung — festgehalten wird, was gesagt wurde und was du getan hast, nicht, was es bedeuten könnte.

Dieselbe Frage sollte im Erstgespräch schon einmal gestellt werden, damit sie später nicht überrascht; der Ablauf steht in Erstgespräch als Personal Trainer.

Was droht, wenn du es nicht tust?

Drei Ebenen, und die erste ist die harmloseste:

  • Verwaltungsstrafe bis 3.600 Euro nach § 366 Abs. 1 GewO in Österreich.
  • Unterlassungsklage von Mitbewerbern oder Verbänden — beide bekannten OGH-Verfahren gingen von dieser Seite aus, nicht von einer Behörde.
  • Zivilrechtliche Haftung, wenn aus einer Empfehlung ein Schaden entsteht.

KADEA ist eine Coaching-App für Personal Trainer im deutschsprachigen Raum: Trainingspläne, 412 Übungen mit Video, Nachrichten und Fortschritt in einer App, die das Logo und die Farben des Trainers trägt. Der Zugang kostet 50 € im Monat plus 10 € je aktivem Klienten (zzgl. USt.), die Daten liegen auf EU-Servern in Irland.

Der Ernährungsbereich gehört dem Klienten und wird von ihm geführt. Wie das aussieht, steht auf der Startseite; Trainer bewerben sich über Trainer werden.

Fazit

Die Grenze verläuft an der Person, nicht am Thema: Sobald eine Erkrankung vorliegt oder vermutet wird, sind in Österreich Diätologen und Ärzte zuständig, in Deutschland greift das Heilpraktikergesetz. Verwiesen wird beim Verdacht, nicht erst bei Gewissheit, und eine andere Bezeichnung ändert daran nichts — das ist der Kern beider OGH-Entscheidungen. Wer als Erweiterung verweist statt als Absage, verliert dabei niemanden.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand vom 27. August 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für die Einordnung von Beschwerden und für Ernährung bei Erkrankungen sind Ärzte und Diätologen zuständig.

Häufige Fragen

Wann endet die Zuständigkeit eines Personal Trainers?

Sobald eine Erkrankung vorliegt oder der Verdacht darauf besteht. Das ist keine Ermessensfrage: In Österreich sind Diätologen nach dem MTD-Gesetz neben Ärzten die einzige Berufsgruppe, die dann ernährungstherapeutisch behandeln darf. Gewerbliche Ernährungsberatung nach § 119 GewO ist auf gesunde Personen ohne Krankheitsgefährdung beschränkt.

Muss ich schon beim Verdacht verweisen?

Ja. Der Vorbehalt greift bei Vorliegen oder Verdacht einer Erkrankung — nicht erst bei einer gesicherten Diagnose. Wer wartet, bis Gewissheit besteht, handelt bereits im vorbehaltenen Bereich. Und die Einschätzung, ob ein Verdacht begründet ist, gehört ohnehin nicht in das Berufsbild eines Trainers.

Wer ist in Deutschland zuständig?

Ernährungstherapie bei einer Erkrankung gilt als Heilkunde und ist nach dem Heilpraktikergesetz erlaubnispflichtig — zulässig für Diätassistenten, Heilpraktiker und Ärzte. Ernährungsberatung selbst ist in Deutschland nicht reglementiert, die Berufsbezeichnung nicht geschützt.

Verliere ich den Klienten, wenn ich verweise?

In der Regel nicht, wenn der Verweis als Erweiterung auftritt und nicht als Absage. Das Training läuft weiter, nur die Ernährung wandert zu jemandem mit der passenden Berechtigung. Aus solchen Verbindungen entstehen erfahrungsgemäß Empfehlungen in beide Richtungen.

Was droht, wenn ich es nicht tue?

In Österreich Verwaltungsstrafen bis 3.600 Euro nach § 366 Abs. 1 GewO, dazu Unterlassungsklagen von Mitbewerbern und Verbänden — beide bekannten OGH-Verfahren gingen von dieser Seite aus. Hinzu kommt die zivilrechtliche Haftung, wenn aus einer Empfehlung ein Schaden entsteht.

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